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Archive for September, 2011

PostHeaderIcon 19. Juli 1939 U-47 2.Flottille Wilhelmshaven

Leutnant zur See Horst Endelmann meldet sich zum Dienst“, meine Hacken knallten zusammen und ein stechender Schmerz durchzuckte mein rechtes Bein. Die jahrelange Routine hatte mich vergessen lassen es diesmal etwas sanfter angehen zu lassen, war ich doch so tollpatschig mir vor einigen Tagen bei einem Kontrollgang auf U-47 den Fuß zu verstauchen. Zur Schadenfreude der gesamten Mannschaft, aber die Jungs belustigt es halt das auch ein Kaleun mal flach geht.

Gehorsam wie immer machte ich meine Aufwartung bei Korvettenkapitän Hans Ibbeken, der nun schon seit annähernd 2 Jahren unser Flottillen-Kommandant bei der 2. U-Flottille in Wilhelmshaven war. U-47 ist eins der wenigen VII B Boote der deutschen Kriegsmarine, und seit dem Stapellauf im Dezember 1938 unternahmen wir schon einige Übungsfahrten in der Ostsee, aber die Verlegung in die Nordsee nach Wilhelmshaven ließ erahnen das nun etwas neues auf uns zukam.

Planquadrat AN87, Ausläufer des Ärmelkanals, vor der englischen Ostküste…” donnerte Ibbeken und reichte mir die Befehlsmappe, “…gratuliere, ihre erste Fahrt in sozusagen Feindesgebiet!“. Die Zeichen standen wahrlich auf Sturm, und das wir gleich an vorderster Front so knapp unter der englischen Küste patrouillieren sollten erfüllte mich weniger mit Stolz als mit … sagen wir “Respekt”. Aber der Mensch wächst mit der Aufgabe, vielleicht war es gut das wir sogleich gefordert wurden.

Zu Befehl” wischte ich alle zweifelnden Gedanken hin fort, “Viel Glück Horst” brachte mir der Korvettenkapitän mit einem formlosen, beinahe Lächeln entgegen und reichte mir die Hand.

Hans Ibbeken, damals noch Kapitänleutnant, war einer der ersten Kommandanten die 1936 ein VII A Boot bekamen, und ich hatte die Ehre unter ihm auf U 27 zu dienen. Auf diesem weg war es uns auch möglich einiges an Erfahrung im spanischen Bürgerkrieg zu sammeln. 1937 bekam ich dann mein erstes Kommando auf einem Einbaum bis ich 1938 mit U-47 eines unserer Atlantikboote vom Typ VII B bekam, wohl vermutlich auch aufgrund der kriegsähnlichen Erfahrungen die ich mit Hans vor A Coruna, Pasajes und Laraminel sammeln durfte.
Immer ernst und konzentriert bei der Sache, hart aber fair war er, der Hans, und diese Wesenszüge sollten auch mich prägen….

…..Auslaufen nächsten Dienstag, 26. Juli 1939, 0545 Morgens…..beobachten des britischen Schiffsverkehrs nördlich des englischen Kanals….

las ich in unseren Befehlen als ich mich auf den Weg zurück zum Stützpunkt machte. Wir waren bereit, unser Smutje Lois musste bis dahin zwar noch ordentlich Frischfleisch, Obst und was weis ich was alles bunkern, aber das sollte machbar sein, schließlich brauchen die Jungs ordentlich was auf die Teller. Die Moral unter der Besatzung ist schlechthin das wichtigste.

“Alois Mülbach”, unser Smutje mit sprachlich unverkennbar Tiroler Wurzeln wurde von uns eigentlich immer nur “Lois” genannt. Ein einfacher Mann, aber grundehrlich, geradlinig und mit Handschlagqualität. Nicht nur seine Kunst mit dem Kochlöffel hat ihm viel Ansehen bei der Mannschaft eingebracht, ein guter Draht zu den Jungs ist wohl auch mit dafür verantwortlich das er unlängst zum Bootsmann befördert wurde. Er war schon immer eine Leitfigur, und nun auch mit dem passenden Dienstrang!