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Archive for November, 2011

PostHeaderIcon 10. Oktober 1939 U-47 2. Feindfahrt

01:46 Uhr

Herr Kaleun, Schiff voraus, fährt mit gesetzten Positionslichtern…“, die noch jugendliche Stimme des Gefreiten Strauss riss mich aus meinem unruhigen Schlaf. Obwohl ich schon genügend Fahrten hinter mir hatte war es doch immer wieder ungewohnt in meiner engen, schaukeligen Koje zu schlafen, besonders in den ersten Nächten. Aber ich durfte mich nicht beschweren, im Vergleich zur übrigen Mannschaft war meine Schlafstätte wahrer Luxus, und ich musste sie mit niemanden teilen.

Welcher Kurs?” fragte ich reflexartig, während ich versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. “Kurs SW” überschlug sich die Stimme des Gefreiten, der noch immer etwas außer Atem war. Auf meinem Weg zur Brücke erfuhr ich auch noch das es sich vermutlich um einen dicken Fisch handeln dürfte.

Meldung!” stieß ich angestrengt heraus, als ich mich durch das Turmluk ins freie zwängte. “Frachter direkt voraus, beleuchtet, hält Kurs SW, vermutlich Richtung englischer Kanal…” berichtete unser IWO, “…habe bereits Befehl gegeben auf Kurs West zu gehen, um nicht vorzeitig entdeckt zu werden

Sehr gut Wolfgang” entgegnete ich während ich mir ein Fernglas griff. Meine Devise immer schön aus dem verborgenen zu agieren schien sich nun auch bei den Offizieren breit zu machen, niemand muss wissen das wir hier draußen rumschippern.

Auf Seerohrtiefe gehen, AK mit E-Maschinen Kurs 250” rief ich unserem Obersteuermann Franz in der Zentrale zu, “versuchen wir mal getaucht näher ranzukommen, um den Pott besser identifizieren zu können“. Es war nun kurz vor 2 Uhr morgens, in ca. 1-2 Stunden sollten wir genaueres wissen.

02:56 Uhr

Verdammt!” Fluche ich leise vor dem Seerohr, “Jetzt fangen die an zu zacken und drehen genau von uns weg“. Wir laufen schon AK und mit dem neuen Kurs den die Jungs auf dem Frachter eingeschlagen haben können wir uns getaucht nicht mehr vorsetzen, dafür reicht weder unsere Geschwindigkeit noch unsere Batterien.

Boot um 180° wenden, Kleine Fahrt“, wir mussten wieder etwas auf Abstand gehen, um uns aufgetaucht vorzusetzen. Damit war meine Nachtruhe wohl endgültig dahin, aber nun hieß es schnell sein um den Kerl noch vor Einbruch der Morgendämmerung zu identifizieren.

03:12 Uhr

Tauchen auf um uns mit AK überwasser vorzusetzen.

Gut das die Positionslichter gesetzt haben, das erleichtert das Fühlung halten ungemein” sag ich süffisant zum IWO. Insgeheim hoffe ich das die Jungs da drüben mal ein wenig in unsere Richtung zacken, dadurch würde sich diese nächtliche Katz und Maus Spiel bedeutend beschleunigen, und wir könnten uns wieder in unsere Kojen schmeißen. Aber was soll’s….

03:22 Uhr

Frachter zackt erneut Richtung Westen von uns weg.

Die machen uns heut Nacht echt das Leben unnötig schwer“, kurzzeitig denke ich sogar drüber nach einfach überwasser mit AK ranzufahren, aber verwerfe die Idee schnell wieder. Man soll aus Faulheit heraus kein unnötiges Risiko eingehen. Also holen wir nun noch weiter nach SW aus, um uns endgültig vor zusetzen.

05:14 Uhr

Diesmal klappt alles reibungslos, unsere neuen Freunde da drüben wurden wohl schon seekrank vom vielen zacken, in den letzten 2 Stunden war zum Glück Ruhe und wir konnten uns zügig vorsetzen. Sind getaucht um mit AK schnell ran zulaufen

5:36 Uhr

Naja, die Mühe war wohl um sonst, scheint sich um einen Norweger zu handeln. Aber wäre ein lohnendes Ziel gewesen, …” sag ich zu unserem IWO. “… voll beladen und gute 8000 ts. Lassen wir ihn ziehen, scheint alles in Ordnung zu sein. Wieder auf ursprünglichen Kurs 295 Richtung Orkneys / Shetland Inseln gehen, kleine Fahrt, vorläufig getaucht bleiben“. Bei Nacht sind solche Identifizierungen immer verdammt schwer durchzuführen, da wundert es einen nicht das es des öfteren zu Verwechslungen kommt.

Vermerke ins Logbuch:

Norwegischer Frachter, 8kt, vermutlich unbewaffnet, beladen, 8000+ ts, mit gesetzten Positionslichtern, Kurs SW Richtung  Kanal, lassen nach genauer Identifizierung ziehen und setzen Kurs Richtung Operationsgebiet fort

Ich werd’ mir dann noch ein wenig die restliche Nacht um die Ohren schlagen, Befehl auftauchen sobald norwegischer Frachter außer Sichtweite und mit Großer Fahrt gesetztem Kurs folgen” geb’ ich noch ein paar Anweisungen an den Diensthabenden, und begebe mich daraufhin in meine Koje. Der heutige Tag wird noch lange werden bei so wenig Schlaf, aber zum Glück macht unser Lois ja einen hervorragenden Kaffee….

Gegen 8 Uhr morgens erwache ich erneut, dass monotone “kartoffelkartoffel” der Diesel bestätigt das der Wachhabende das Boot bereits wieder hat auftauchen lassen, um unsere Fahrt an der Oberfläche fortzusetzen. Im Laufe des heutigen Tages werden wir aber wohl oder übel wieder anfangen müssen unter Tags getaucht zu marschieren, zu nahe ist bereits das britische Festland, und ich möchte nicht vorzeitig entdeckt werden.

Auf dem Weg in die Zentrale hol’ ich mir bei unserem Smutje noch schnell eine Tasse Kaffee um in die Gänge zu kommen.

11:50 Uhr

Nun wird es Zeit “Auf 20m gehen, kleine Fahrt” gebe ich den Befehl zum tauchen. “Von nun an marschieren wir unter Tags getaucht, wir liegen gut in der Zeit, da brauchen wir kein unnötiges Risiko eingeh’n”

Langsam neigt sich das Boot vorne über um in den Keller zu schleichen…

17:30 Uhr

Schön langsam müsste es dunkel werden da oben. “Sonar Kontakt?” frage ich nach, “Kein Kontakt Herr Kaleu, alles ruhig”

Na gut “Auf Seerohrtiefe gehen”, wollen wir mal einen Rundblick nehmen. Quälend langsam beginnt das Boot zu steigen, wenige Minuten später kommt vom LI die Bestätigung “Seerohrtiefe erreicht Herr Kaleu”. Wie üblich gilt mein erster Blick durch’s Seerohr dem Himmel, ich möchte nicht riskieren das wir direkt unter einem feindlichen Flugzeug auftauchen. Doch nichts zu sehen, weder in der Luft noch zu Wasser. “Auftauchen, große Fahrt voraus!”

Als ich mit unserem IWO die Brücke erklimme fällt mir sofort die Abendröte ins Auge. “Wir scheinen Glück zu haben Wolfgang, die See wird ruhiger, und von Westen her fast wolkenloser Himmel. Ideal, bei zu starkem Wellengang kommen wir nie nach Scapa rein”