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Archive for December, 2011

PostHeaderIcon 14. Oktober 1939 U-47 2. Feindfahrt

“Ich hoffe wir haben bei der Tankanlage in Lyness mehr Glück und finden ein paar wertvolle Ziele. Ansonsten gehen wir noch als das einzige Boot in die Geschichte ein das nach Scapa Flow eingedrungen ist ohne etwas zu versenken” scherze ich mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Magengegend.

“Ja, es wäre eine Schande, da hatten wir bis jetzt soviel Glück mit dem Wetter und dann könnten wir nichts damit anfangen” entgegnet unser IWO.

“Zerstörer direkt voraus!” unterbricht uns einer der jungen Matrosen. “Hmmm, das scheint diesmal aber ein Bewacher zu sein. Macht zwar nur wenig Fahrt, aber der liegt gewiss nicht vor Anker und dümpelt nur so vor sich hin wie die anderen.” murmle ich vor mich hin während ich durch das Fernglas spähe.

Eine kurze Zeit lang überlege ich ob wir nicht abdrehen sollten um den Truppentransporter oder einen der Zerstörer anzugreifen. Wenn wir nach Lyness wollen müssen wir an dem Burschen vor uns vorbei, und dabei würden wir ihm verdammt nahe kommen. Wenn er uns entdeckt bedeutet das im besten Fall Kriegsgefangenschaft.

Aber wir MÜSSEN weiter, im Süden warten bestimmt ein paar fette Brocken auf uns. “Noch näher an die Küste ran und auf AK gehen. Wir müssen mit möglichst viel Abstand an dem Tommy vorbei, so schnell wie möglich.”

Bange Minuten vergehen, doch wir haben wieder Glück, gerade als wir durch das Nadelöhr zwischen Küste und Zerstörer schlüpfen dreht dieser ab und wendet uns seinen Rücken zu. Das lässt uns etwas mehr Spielraum.

00:45 Uhr

Wir befinden uns nun bei den Bring Deeps, auf Höhe der Houton Air Station. Am Westufer sind einige Küstenbatterien erkennbar, doch wir bleiben weiterhin unentdeckt.

“Verdammt, da ist gar nichts, nur so ein lächerliches Schwimmdock” mach ich meinem Unmut Luft während ich durch das Fernglas in Richtung der Tankanlage bei Lyness blicke. “Die Briten müssen wohl die Lunte gerochen haben aufgrund unserer verstärkten Luftaufklärung der letzten Wochen, oder sie haben die Flotte wo anders hin verlegt nachdem die Luftwaffe Anfang des Monats das Artillerieschulschiff versenkt hat. Anders kann ich mir das nicht erklären!”

“Muss wohl so sein” entgegnet der I WO auch etwas ratlos.

Jetzt ist guter Rat teuer, WENN wir hier drinnen was versenken dann war’s die letzte Möglichkeit die sich der Kriegsmarine bieten wird. Sobald die Briten herausfinden das wir mit unseren Booten hier so leicht reinkommen werden sie bestimmt alles dicht machen. Aber einfach so wieder rausschleichen ohne was zu versenken macht auch keinen Sinn, die Briten planen doch schon den Ausbau der Verteidigungsanlagen, in ein paar Wochen könnte Scapa Flow für immer dicht sein!

“Also gut, hier ist nichts, das Boot um 180° wenden, wieder zurück!” gebe ich einen kurzen Befehl, um etwas Zeit zu gewinnen um die nächste Entscheidung zu treffen.

“Wir werden hier auf keinen Fall mit leeren Händen rausgehen, fragt sich nur ob wir den Truppentransporter oder die zwei Zerstörer auf’s Korn nehmen sollten. Mit einem flinken Wendemanöver könnten wir beide Zerstörer angreifen und wären schon wieder auf dem halben Weg nach draußen bevor die Briten überhaupt wissen wie ihnen geschieht”

“Könnte klappen” nickt der I WO zustimmend, “und der Truppentransporter?”

“Nun Wolfgang, ich sehe die Zerstörer als wichtiger an, erstens wird der Truppentransporter vermutlich leer sein, und wenn nicht dann wären die Tommys bei einer Versenkung so oder so wieder schnell an Land. Und die Zerstörer bieten den weiteren Vorteil das sie Kriegsschiffe sind, somit hätte unsere Propaganda zumindest einen netten Aufmacher, was ja auch nicht ganz unwesentlich ist!” lege ich meine Ansichten dar.

“Nun Gut, weiterhin auf AK bleiben, wieder an unserem Bewacher vorbei, dann gehen wir auf Ostkurs, schleichen uns zwischen den beiden Zerstörern durch die vor Anker liegen und greifen anschließend an!” ein einfacher Plan.

01:00 Uhr

Diesmal scheinen wir weniger Glück zu haben, ausgerechnet als wir den Tommy passieren wollen macht der kehrt und hält minutenlang genau auf uns zu. Wie gebannt starren alle durch die Ferngläser, jeden Moment erwarte ich das aufblitzen von Mündungsfeuer, doch nichts dergleichen passiert…

“Man, die Tommys müssen alle blind sein, das gibt’s doch nicht das uns die nicht sehen!” schüttelt Wolfgang den Kopf als wir den Zerstörer in geschätzen 2000m Entfernung passieren. “Ich versteh das auch nicht, die müssen die Flotte verlegt haben, und alle die zu Blind waren um die Befehle zu lesen sind hiergeblieben” scherze ich zurück. “Aber trotzdem wachsam bleiben, wir ziehen das jetzt ganz ruhig durch, noch sind wir nicht wieder draußen!”

Gegen halb zwei steuern wir mit AK genau zwischen den beiden Zerstörern durch die in der Mitte der Bucht vor Anker liegen, den ersten werden wir mit einem glatten Schuß aus Rohr 1 angreifen, dann nach Süden abdrehen und Zerstörer # 2 mit dem Hecktorpedo versenken, um uns sogleich in Richtung Kirk Sound zu bewegen, damit wir schnellstmöglich wieder draußen sind.

“Tiefe auf knapp über 4m einstellen, Peilung 0°, Magnetzünder” gebe ich Befehl. Nur nicht zu tief, nicht das uns das Ding noch auf Grund läuft.

Sobald der Torpedo unser Bugrohr verlassen hat drehen wir nach Süden ab, gespannt verfolgen alle die Blasenspur…., …..TREFFER!

“Den hat’s zerrissen”, wie von einer Titanenfaust getroffen wird der erste Zerstörer aus dem Wasser gehoben und zerbricht sofort in 2 Hälften.

Doch keine Zeit zum Jubeln, wir sind schon auf dem Weg zu Zerstörer #2. Noch eine kleine Kurskorrektur dann schwenken wir hart nach Backbord um unsern Aal aus dem Heckrohr los zumachen. 7 Minuten nach dem der erste Zerstörer hochgegangen ist detoniert auch der zweite Torpedo im Ziel. Diesmal ist die Explosion nicht so heftig, und mehr Feuerschein mischt sich darunter, eventuell ist unser Aal etwas zu wenig tief gelaufen, aber die Wirkung ist trotzdem tödlich.


“ACHTUNG, da regt sich noch was da drüben!” ruft mir der IWO zu, kurz leuchten nochmal die Scheinwerfer auf und wir fürchten entdeckt zu werden, doch wenige Sekunden später beendet eine heftige Explosion jegliche Aktivitäten und die dunkle See verschlingt unser zweites Ziel.

Wenige Minuten später sind wir bereits auf halben Weg Richtung Kirk Sound. “Nun scheinen die Tommys aufzuwachen!”, überall werden Starshells gefeuert, doch zum Glück fernab unserer Position, und wir haben nur noch wenige Minuten bis zum Ausgang.

“Da voraus, da feuert einer Starshells” meldet der IWO, sieht aus als ob uns im Holm Sound jemand erwartet, direkt auf unserer Fahrroute geht eine leuchtende Kugel nieder und macht die Nacht zum Tag. “Verdammt, wenn die uns da draußen erwarten dann war’s das, dann sitzen wir in der Falle!” vermelde ich, aber wir müssen trotzdem weiter auf Kurs bleiben, vielleicht haben wir nochmal Glück.

02:15 Uhr

Wir passieren erneut das Netz bei St. Marys und die Sperrschiffe im Kirk Sound, wieder ohne nennenswerte Probleme. Im Holm Sound voraus war bis jetzt keine weitere feindliche Aktivität zu sehen, vielleicht hat es sich unser Empfangskomitee anders überlegt und ist nach Süden abgedreht, in wenigen Minuten werden wir’s wissen. “Weiter auf AK bleiben, alles was drin’ is LI” brülle ich durch das Turmluk wir müssen hier weg solang die Briten noch mit herunter gelassenen Hosen dastehen.

“Feuer von Backbord!” schreit einer der Jungs wenige Minuten später los, als ich auch schon das prasseln von MG Feuer auf unserem Turm höre. “Tauchen!” gebe ich sofort Befehl, ohne die genaue Wassertiefe zu kennen, erst als ich durch das Turmluk in die Zentrale komme fällt mir ein das hier das Wasser bereits ca. 15m tief sein müsste. “Vorsichtig LI, nicht auf Grund setzen, lass lieber mal unseren Turm ein wenig rausgucken, jetzt ist eh keiner mehr oben”

Binnen kürzester Zeit schneidet unser Boot unter. “Was zum Teufel war das denn, der war doch nicht mal 1000m entfernt, das muss die Küstenbatterie gewesen sein, oder ein Bewacher ganz knapp am Ufer. Eine Schande das wir die nicht gesehen haben. Vor einer Stunde haben wir noch über die blinden Tommys gelacht!” bemerke ich selbstkritisch. Aber es scheint alles gut gegangen zu sein, Wasser haben wir unter’m Kiel, und verletzt ist anscheinend auch keiner.

“Bleiben wir auf AK, und noch bis um Rose Ness herum getaucht, dann werf ich mal einen Blick auf unsere Freunde da oben durch’s Seerohr”

02:42 Uhr

“Nun müssten wir auf Höhe Rose Ness sein, Maschinen auf Kleine Fahrt, ist irgendwas zu hören da draußen” frage ich unseren Mann am Horchgerät. “Nichts in der Nähe, im Süden sind schnelle Schraubengeräusche zu hören, liegen aber weit ab, und Explosionen aus Scapa Flow, ansonsten nichts Herr Kaleu” entgegnet dieser.

“Vielleicht war’s auch ein Zerstörer dessen Kessel noch nicht unter Dampf war” wirft unser I WO ein. “Ich werd mal einen Blick riskieren” antworte ich, während ich mich ans Seerohr begebe.

“Da oben tut sich nicht viel, unser Tommy befindet sich noch immer an Ort und Stelle. In ein paar Minuten sind wir hinter der Südspitze von Rose Ness verschwunden, dann tauchen wir wieder auf und machen uns mit AK vom Acker, wir hatten heute mehr als genug Glück” gebe ich erleichtert von mir. Ein wahres Glück das uns die Briten nicht verfolgt haben, in diesen seichten Gewässer wären wir eine leichte Beute gewesen!

02:50 Uhr

Sind wieder aufgetaucht und laufen mit AK in Richtung Osten, weiter im Süden sucht uns ein Zerstörer und verfeuert Shells, wird uns aber nie ernsthaft gefährlich. Auch über Scapa Flow sind Starshells zu sehen, als ob man in ein Hornissennest gestochen hätte verfeuern die aufgeschreckten Briten alles was sie haben, jedoch ohne konkreten Plan.

“In ca. 1 Stunde müssten wir tiefere Gewässer erreicht haben, dann können wir die Operation endgültig als gelungen ansehen” sage ich hoffnungsvoll zu den Männern auf der Brücke.

04:12 Uhr

“Steuermann, prüfen sie mal wie viel Wasser wir unter’ Kiel haben” gebe ich Befehl “Ca. 80 m entgegnet dieser prompt”

“Nun gut, dann dürfen wir uns jetzt in Sicherheit wiegen, die Männer können ihre Gefechtsstationen verlassen. Aber der LI soll sich mal unseren Turm und die Flak ansehen, der Beschuss von vor 2 Stunden hat doch einige Spuren hinterlassen”

Und in der Tat wurde unsere Flak leicht beschädigt, was sich jedoch innerhalb einer Stunde beheben lässt. Gegen Halb Sechs Uhr Morgens setzen wir ein FT ab über unser erfolgreiches Eindringen in Scapa Flow, und unsere 2 Versenkungen.

Gut eine Stunde später kommt die Antwort, FT vom BdU. Man gratuliert uns zu unserem Erfolg, und wir erhalten Befehl für sofortigen Rückmarsch nach Wilhelmshaven.

“Das scheint mir ein gutes Zeichen zu sein das man unser Vorgehen als Erfolg ansieht, wenn die nicht zufrieden wären mit unseren zwei Zerstörern dann würden wir jetzt Befehl erhalten unsere Patrouille anzugehen, unser  sekundäres Operationsziel.” mache ich meinen Gedanken Luft. Unser LI nickt zustimmend “Wir hatten zwar jede Menge Glück das uns die Tommys nicht drangekriegt haben, aber mit der Beute hatten wir dafür weniger Glück. Aber wir können zumindest sagen das wir in Scapa Flow waren!”

07:40 Uhr

Im Osten geht schön langsam die Sonne auf, gebe Befehl auf 20m zu gehen um unter Tags getaucht zu bleiben und mit kleiner Fahrt zu marschieren, in der Ferne hört man WaBos explodieren, die Briten scheinen noch immer äußerst aufgebracht zu sein!

Stündlich stoppen wir die Maschinen um rundzuhorchen und auf Seerohrtiefe einen Rundblick zu riskieren. Gegen Mittag erhalten wir auf Langwelle ein FT über einen Einzelfahrer, liegt aber zu weit ab von uns um ranzukommen.

19:00 Uhr

Die Abenddämmerung ist im vollem Gange, nach nochmaligen Rundhorchen und Rundblick tauchen wir auf um über Wasser mit Großer Fahrt unseren Marsch fortzusetzen.

2 Stunden später erhalten wir erneut eine Meldung über einen Einzelfahrer, diesmal nur 90 sm östlich von uns, mit Kurs auf unsere Position!

Wir ändern unseren Kurs leicht auf 95° und gehen auf AK um den Einzelfahrer abzufangen.