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Archive for January, 2012

PostHeaderIcon 15. Oktober 1939 U-47 2. Feindfahrt

Kurz vor 1 Uhr Morgens höre ich im Halbschlaf wie unser Boot taucht. Ich habe Befehl gegeben bei erreichen des Abfangpunktes für unseren Einzelfahrer tauchen zu lassen, bei Nacht ist es einfacher einen Kontakt durch rundhorchen zu finden. Geschätzte 2 Stunden lang wird nach dem Einzelfahrer gesucht, aber ergebnislos. In den frühen Morgenstunden befinden wir uns wieder auf Kurs Richtung Wilhelmshaven.

“Na Wolfgang, kein Glück gehabt letzte Nacht?” frage ich als erstes unseren IWO als ich gegen 6 Uhr morgens in die Zentrale gehe. “Nein, leider nicht Herr Kaleu, der Kerl war einfach nicht zu finden” entgegnet dieser. “Kein Problem, unsere Jungs haben sich sowieso die erste ruhige Nacht seit Scapa Flow verdient”.

Doch die Ruhe währt nicht lange, gegen 7:45 Uhr erhalten wir erneut ein FT über einen Einzelfahrer, diesmal nur 12sm östlich von uns, also leicht zu erreichen, wir gehen sofort mit AK auf Abfangkurs.

“Den Burschen kriegen wir diesmal” sag ich noch voller Zuversicht, ca. 20 Minuten später haben wir auch schon Sichtkontakt, sieht aus wie ein Frachter, fährt ohne gesetzte Positionslichter, also ein potenzielles Ziel!

Wir gehen auf Kurs N um uns vor ihn zu setzen, um 8:18 tauchen wir, bleiben aber auf AK um in Schussposition zu kommen. Just als wir getaucht sind fängt der Frachter an zu zacken. Offensichtlich haben wir uns Überwasser etwas zu nahe heran gewagt und die Jungs da drüben haben uns entdeckt, das macht das ganze nicht leichter.

8:21 Uhr

Trotzdem gelingt es uns nahe genug für eine Identifikation heranzukommen, sieht so aus als ob der kleine Frachter unter polnischer Flagge fährt. Wir entscheiden uns sofort zum Angriff!

“Fahrt ca. 12kt, Tiefgang 8m, Torpedorohr 1 feuerbereit machen” gebe ich Befehl.

Um 8:35 sind wir in einer guten Position, doch als wir unseren Aal losmachen zackt der Frachter weg. Unser Torpedo läuft zwar noch knapp unter dem Bug durch, doch entweder war es ein Fehlzünder, oder das Magnetfeld des Bug’s war nicht mehr stark genug um unseren Aal auszulösen. “Verdammt, in Zukunft nehmen wir wieder ein paar G7e mit, die haben unsere Blasenspur gesehen da drüben, bei Tageslicht sind die G7a nicht gerade von Vorteil!”

“Auftauchen” gebe ich Befehl, wir sind getaucht zu langsam um nochmal in eine gute Schussposition zu kommen, und die polnische Besatzung da drüben passt offensichtlich gut auf, da können wir ihnen auch gleich verraten wo wir sind.

“Beide Maschinen AK, Torpedorohr 2 bereit machen!”. Um 8:48 machen wir unseren zweiten Aal los, diesmal Zielen wir nicht mehr genau mittig sondern etwas mehr auf das Heck des Frachters, das sollte eventuelle Ausweichmanöver schwieriger machen, außer die Burschen da drüben lassen sich etwas neues einfallen.

“Verdammt, die weichen schon wieder aus” bemerkt der IWO mit leicht ärgerlicher Stimme. “Das wird ihnen diesmal nichts nützen, der Aal geht ins schwarze” entgegne ich. “Noch 10 Sekunden…”

“TREFFER!!!” jubeln alle am Turm, leider nur relativ weit vorne am Bug, aber das sollte dem Pott doch ordentlich zu schaffen machen. Die Torpedos mit Magnetzündung arbeiten leider nur richtig gut wenn sie mittig des Schiffs detonieren, mit ausreichender Lauftiefe heben sie dann das gesamte Schiff aus dem Wasser, und brechen ihm somit das Rückgrat. Doch auch so ein Treffer am Bug dürfte einem Schiff dieser Größe zumindest etwas zu schaffen machen.

09:00 Uhr

Nur sehr langsam beginnt der Frachter über den Bug zu sinken, ca. 10 Minuten nach unserem Torpedotreffer hat sich seine Fahrt zwar merklich verringert, doch der Bug liegt nur ein paar Meter tiefer im Wasser. Da wir so oder so auf dem Rückmarsch sind, und noch genügend Munition haben lasse ich das Deckgeschütz besetzen.

“Setzt denen da drüben mal einen Schuss vor den Bug, damit die wissen das das Spiel aus ist, wir machen jetzt ernst, und die sollen gefälligst machen das sie runter kommen von dem Kahn” befehle ich unserem Waffenoffizier.

Doch die Polen entdecken schon frühzeitig das wir unser Deckgeschütz klarmachen, und verlassen noch vor dem ersten Warnschuss ihr Schiff. “Ein paar Minuten geben wir ihnen noch, dann Feuer frei auf die Wasserlinie, seht zu das der Pott unter Wasser kommt!”

5 Minuten später wird das Feuer eröffnet, unser Schütze Möllers leistet ganze Arbeit, schon der erste Schuss sitzt, und auch die weiteren liegen sehr gut. Binnen 10 Minuten wird das Schiff förmlich zerfetz von unseren Granaten, und zerbricht schließlich knapp hinter der Stelle unseres Torpedotreffers, also hat die Magnetzündung auch diesmal hervorragende Arbeit geleistet.

“Das reicht, Feuer einstellen” befehle ich, da ist nicht mehr viel zu Retten da drüben, wir gehen wieder auf alten Kurs, “für 1 Stunde AK, dann tauchen wir um unseren Tagesmarsch fortzusetzen.”

Doch das polnische Schiff erweist sich als verdammt zäh und will nicht sinken. Eine halbe Stunde später als wir schon fast außer Sichtweite sind treibt das Wrack noch immer lichterloh brennend über Wasser.

“Wie dem auch sei, das Ding ist jetzt sowieso wertlos, und wird früher oder später den Elementen zum Opfer fallen, jetzt ist das Risiko zu groß das wir nochmals umkehren um einen Fangschuss zu setzen. Die dürften wohl einen sehr leichte Ladung unter Deck gehabt haben, vielleicht Kork oder Holz. Und jetzt schwimmt der Pott auf dem Zeug auf.” erkläre ich meine Gedanken “Weiter auf Kurs bleiben und in einer halben Stunde auf 20m gehen”.

Der Rest des Tages verläuft Ruhig, um 18:40 Uhr lasse ich wieder auftauchen um unseren Marsch Richtung Wilhelmshaven über Wasser fortzusetzen….