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Archive for the ‘2. Flotille Wilhelmshaven 4.8.39 – 8.10.39’ Category

PostHeaderIcon 2. Oktober 1939 U-47 2. Flottille Wilhelmshaven

Knapp 2 Monate nach unserer Rückkehr nach Wilhelmshaven wurde ich zum Hauptquartier der Flottille beordert, “Es sei wichtig” sagte Hans Ibbeken, unser Flottillenchef noch dazu. Die Aufregung in seiner Stimme machte mich stutzig. Seit Anfang September befindet sich Deutschland im Krieg mit Polen, Frankreich und Großbritannien, und es wunderte mich eigentlich das wir nicht schon längst Befehl zum auslaufen erhalten hatten, besonders jetzt da wir sowieso viel zu wenig Boote an die Front bringen konnten wäre U-47 sicherlich eine wertvolle Unterstützung.

Normalerweise ist Hans die Ruhe in Person, da muss schon ordentlich was im Busch sein wenn auch er seine Aufregung durch klingen lassen muss. Dementsprechend unruhig hatte ich auch die letzte Nacht geschlafen, nichts desto trotz fand ich mich pünktlich am Stützpunkt ein.

Kaum angekommen erwartete mich Hans auch schon im Vorraum mit seinem Adjutanten, was ungewöhnlich war, und geleitete mich in sein Büro. Zu meiner Verwunderung wartete dort bereits der BdU Konteradmiral Karl Dönitz und Kapitänleutnant Wellner von U-14.

Treten Sie näher meine Herrn” bat er uns sogleich an den großen Kartentisch. “Ibbeken, Sie und ihr Adjutant mögen bitte draußen warten und darauf achten das wir nicht gestört werden”. Ungewöhnlich das sogar der Flottillenkommandant aus seinem Büro vertrieben wurde…
“Was ich ihnen nun sage unterliegt höchster Geheimhaltung, ich bitte sie daher mit niemanden darüber außer den hier anwesenden Personen zu sprechen, und keinerlei schriftliche Aufzeichnungen anzufertigen.” Er klatschte eine rote Mappe auf den Tisch … Operationsbefehl Nordsee #16 … und fuhr fort: “Hier drinnen ist alles was sie benötigen. KptLt Wellner hat auf seiner letzten Feindfahrt mit U14 Aufklärungsdienste für die Kriegsmarine geleistet, genauer gesagt, hatte er den Auftrag Informationen über den Heimathafen der britischen Home Feet in Scapa Flow zu sammeln. Des weiteren hat die Luftwaffe nach einem erfolgreichen Angriff vor ein paar Tagen wertvolle Luftaufnahmen von Scapa Flow freigegeben. Nach intensiven Planungsarbeiten während der letzten Tage und Wochen kamen wir zu dem Schluss das ein erfolgreiches Eindringen in die Höhle des britischen Löwen möglich ist, wenn auch sehr gewagt.”

“Unsere Abwehr berichtet schon seit gut einem halben Jahr das die britische Admiralität offensichtlich aufgrund budgetärer Schwierigkeiten den Schutz von Scapa Flow nicht mit letzter Entschlossenheit vorantreibt. Da sich dies nach Kriegsausbruch sicherlich bald ändern wird ergibt sich nur jetzt die Möglichkeit durch kühnes Vorgehen die Home Fleet entscheidend zu schwächen.”
Dönitz öffnete die rote Mappe und breitete eine detaillierte Karte von Scapa Flow vor uns aus


“Wie sie sehen hat KptLt. Wellner und unsere Luftaufklärung ganze Arbeit geleistet. Wir halten ein Eindringen von Süden durch den Hoxa Sound, oder von Westen durch den Hoy Sound für unmöglich, da diese durch Induktionsschleifen gesichert sind die ihre Anwesenheit sofort durch die magnetische Signatur ihres Bootes verraten würden. Ihre einzige Möglichkeit wäre hier dicht zusammen mit einem britischen Tanker oder Frachtschiff einzudringen, solche Überlegungen sind aber wohl eher theoretischer Natur.”

Aufmerksam lauschte ich den Ausführungen des BdU, wobei mein Blick beiläufig auf den unteren Rand der Karte fiel … 1919 … stach mir dort sofort ins Auge. Insgeheim musste ich etwas schmunzeln, obwohl natürlich klar war das der Großteil der eingetragenen Verteidigungsmittel aus jüngster Aufklärung entstammt.

“Der Großteil der britischen Flottenaktivität dürfte sich auf den Süden und Südwesten der Bucht konzentrieren, besonders um die Tankanlage Lyness. Letzten Dienstag hat die Luftwaffe hier das Artillerieschulschiff Iron Duke versenkt, wir hoffen natürlich auf größere Erfolge, falls sie bereit sind dieses Wagnis einzugehen”, sprach Dönitz, und klopfte mir dabei auf die Schulter.

“Unsere Meinung nach ergibt sich die beste Möglichkeit im Osten durch den Holm oder Water Sound. Besonders Augenmerk sollten sie hierbei auf diese beiden Netze richten”, wobei er auf die eingezeichnete Linie Rose Ness – Burry Ness und ca. 10 km weiter westlich auf die Netze zwischen St. Marys und der Insel Burray zeigte. “Diese Netze sind nicht mit absoluter Sicherheit vorhanden. KptLt. Wellner hat zwischen Rose Ness und Burry Ness vor ca. einem Monat keine Sperren oder Netze vorgefunden, unsere Abwehr berichtete allerdings das diese bereits in Planung oder Bau sind, sein sie also auf alles vorbereitet.”

“Was halten Sie von der Sache”, fragte mich der BdU rund heraus. “Nun, ich bräuchte gewiss etwas Bedenkzeit, und müsste das erst mit meinen Männern besprechen” antwortete ich.

“Nun, mit ihren Männern können sie die Pläne erst auf hoher See besprechen, aus Gründen der Geheimhaltung, aber ich gebe ihnen über’s Wochenende Zeit sich das ganze zu überlegen. Falls Sie annehmen würde ich vorschlagen sie sehen sich die Situation vor Ort in Scapa Flow nochmal genau an, und falls sich eine Gelegenheit ergibt schlagen Sie zu. Falls das Risiko zu Groß ist können wir sie immer noch auf Patrouille nördlich der Hebriden schicken, damit sie zumindest ihre Torpedos loskriegen” lächelte Dönitz, und klopfte mir erneut väterlich auf die Schulter.

“In Ordnung, ich werde ihnen bis Montag über meine Entscheidung Bescheid geben” entgegnete ich. Der Konteradmiral reichte mir die Mappe mit den Unterlagen und Luftaufnahmen und geleitete mich zur Tür. Leider war keine Zeit mehr mich von Hans zu verabschieden, auf dem Weg hinaus konnte ich nur kurz seinen fragenden Blick erhaschen. Aber viel hätte ich ihm auch nicht erzählen können. In ein paar Monaten würde sich alles aufklären, auf die eine oder andere Art. Wobei ich mir sicher bin das unsere Propaganda ein scheitern vor Scapa Flow nicht erwähnen würde, wir wären dann wohl mit U-47 aus unbekannter Ursache nicht mehr heimgekehrt, verschollen für unsere Familien. Kein schöner Gedanke, aber Krieg ist eben Krieg, und da muss getan werden was getan werden muss, keine Zeit für Sentimentalitäten, wischte ich diese Gedanken zur Seite…