PostHeaderIcon 24.-25. November 1939 U-47 3. Feindfahrt

24. November 1939

Der 24. November verläuft Ruhig, über Wasser machen wir ordentlich Fahrt, auch dank der ruhigen See, gegen Abend befinden wir uns auf der Höhe von Süd Norwegen.

 

25. November 1939

Um 3 Uhr Morgens erhalten wir ein FT über einen Einzelfahrer zirka 60sm NNO von uns mit Kurs auf Norwegen. Wir gehen sofort auf AK und versuchen ranzukommen.

06:15 Uhr

Müssten uns nun 20sm südlich der vermuteten Position des Einzelfahrers befinden, ich lasse auf 30m gehen um rundzuhorchen, eventuell können wir mit dem GHG etwas entdecken.

“Nichts Herr Kaleun”, antwortet unser Funkmaat nach kurzer Zeit “Auftauchen” gebe ich sofort wieder Befehl, und wir jagen unvermindert mit AK Richtung Norden.

Eine Halbe Stunde später wiederholen wir das Spiel, diesmal ist wieder nichts zu hören, nur in 30° ist ein ganz leichtes Geräusch zu hören, aber unser Funkmaat ist sich bei Leibe nicht sicher, und auch ich kann nicht unterscheiden ob wir’s hier mit Schraubengeräuschen oder Wunschdenken zu tun haben.

Aber ich folge meinem Instinkt, “Auf 30° gehen und auftauchen, wir setzen mit AK in der Richtung des vermeintlichen Horchkontakts nach!”

08:06 Uhr

Wir tauchen erneut zum Rundhorchen, und tatsächlich, sofort nachdem wir 15m erreicht haben meldet unser Funkmaat Massmann einen klaren Horchkontakt in 0°. Wir hatten also tatsächlich einen guten Riecher vorhin, und müssen den Burschen auf gut 25km erhört haben. Normalerweise ein Ding der Unmöglichkeit, muss verdammt gutes Hörwasser sein hier oben!

“Na Jungs da hat unser Kamerad am Horchgerät aber feine Lauscher gehabt, gratuliere!” Lobe ich unseren Funkmaat vor allen Anwesenden. War eine wirklich bravouröse Leistung, jetzt müssen wir unseren Kontakt nur noch identifizieren.

“Auftauchen” befehle ich, und wir setzen weiterhin mit Kurs 30° nach.

08:18 Uhr

Im Osten beginnt bereits die Morgendämmerung als unsere Brückenwache die Masten unseres Kontakts über den Horizont wandern sieht. Ich schnappe mir sofort mein Fernglas und spähe Richtung NO.

“Sieht so aus als ob unser Freund da drüben keine Laternen gesetzt hat” fällt mir als erstes ins Auge, wir drehen etwas nach Norden um uns vorzusetzen. Inzwischen berechnen wir aus dem Zeitpunkt der Positionsmeldung durch FT und unseres Sichtkontakts die Geschwindigkeit unseres Kontakts, und den Generalkurs.

“Sieht aus als ob der Bursche mit 8kt unterwegs ist, Generalkurs 25°, könnte auf einen der Fjorde rein nach Bergen zuhalten” vermerkt unser neuer I WO nach einem Blick auf die Seekarte.

“Nun, so weit wird er eventuell nicht mehr kommen” entgegne ich mit einem hämischen Grinsen.

08:40 Uhr

Befinden uns nun querab von unserem Einzelfahrer, gegen die helle Morgendämmerung zeichnet sich die Silhouette des Schiffs gut ab, dürfte sich um einen kleinen Küstenfrachter mit ca. 2000ts handeln.

Kurze Zeit später passiert der Frachter genau die aufgehende Sonne, wir befinden uns zum Glück in einer idealen Position da sich unser Boot nicht gegen den dunklen Hintergrund im Westen abzeichnen dürfte.

09:30 Uhr

Befinden uns nun in einer guten Position direkt vor dem Frachter, gehen auf Seerohrtiefe und dann mit Kleiner Fahrt auf Gegenkurs, um das ganze etwas zu beschleunigen.

Inzwischen lasse ich Rohr 1 bewässern und die Mündungsklappen öffnen. Der I WO gibt die Daten in den Torpedorechner ein “Geschwindigkeit 8kt, Peilung 0°, Lagenwinkel 90° Steuerbord, Entfernung 500m, Lauftiefe 9m, Magnetzünder”

“Jetzt müssen wir nur noch klären unter welcher Flagge die da drüben fahren, aber für einen Schuss aus der Hüfte sind wir bereit!” murmle ich zu mir selbst, während ich einen Blick durch das Seerohr werfe.

Knapp 25 Minuten später ist es soweit, der Frachter ist nahe genug herangekommen damit ich durch das Seerohr eindeutig die britische Flagge erkennen kann “Na also, fährt unter britischer Flagge, dann werden wir denen da drüben mal einheizen” vermerke ich durch das Turmluk in die Zentrale

“Rohr 1 Los!”

Ein Ruck geht durch das Boot als unser Aal fauchend das Bugrohr verlässt, ich gebe sofort Befehl mit AK zurück zu laufen, damit wir ein wenig Abstand zur Torpedoexplosion bekommen welche nicht mal 1 Minute später erfolgt. Ein Jubel geht durch das Boot über unseren ersten Treffer auf dieser Feindfahrt.

Kurze Zeit später geht es auf der 600m Welle los…

…SSS, SSS TORPEDOED ….. BRITISH ….. GARTARON, SSS…..

Der Funker scheint recht durch den Wind zu sein, aber aus den Fetzen konnte unser Funkmaat wenigstens den Schiffsnamen entziffern, Die “Gartaron” ist mit 1800 ts verzeichnet.

“Hmmm, leider etwas weit vorne am Bug erwischt, IWO, reduzieren sie die Gegnerfahrt mal auf 5 knoten, und lassen sie Rohr 5 klar machen”, vielleicht müssen wir nochmal ran. “Obersteuermann gehen sie mal auf Parallelkurs, mal beobachten was sich da drüben jetzt tut”

Als sich der Wasserschwall gelichtet hat sieht man wie sich ein großes Feuer auf Deck zu schaffen macht.

Kurze Zeit später bringt die britische Mannschaft das Feuer aber unter Kontrolle. “Alle Achtung, die Besatzung da drüben ist aber auf Zack, die haben soeben in Windeseile ein Mords Feuer gelöscht”.

10 Minuten später liegt der Frachter erst ein wenig tiefer am Bug, macht aber nicht wirklich Anstalten zu sinken.

“Es hilft nichts, da müssen wir nochmal ran, die bringen den Kahn sonst noch heil in einen norwegischen Hafen. Rohr 5 klar für Fangschuss! Obersteuermann bringen sie uns dicht ran und drehen sie anschließend scharf ab, damit wir schön in 90° Winkel mit dem Heckrohr zu ihnen stehen. I WO Torpedo wieder auf 9 m laufen lassen, versuchen wir das wir ihn diesmal mittig oder am Heck erwischen”

10:18 Uhr

“Rohr 5 LOS!”, wieder geht ein Ruck durchs Boot und der LI muss Wasser aufnehmen lassen um die 1,5 Tonnen die gerade unser Heck verlassen haben auszugleichen.

“Der Aal läuft perfekt” gebe ich in die Zentrale durch, während ich gespannt am Seerohr hänge.

“TREFFER” geht ein Jubelschrei durch das Boot, in einer gewaltigen Druckwelle wird sofort der gesamte Frachter förmlich zerrissen!

“Achtung LI, volle Fahrt voraus, der Bursche da drüben explodiert förmlich!” gebe ich hektisch Befehl das Boot in Sicherheit zu bringen.

Und kurze Zeit später treibt nur noch ein rauchendes Wrack an der Wasseroberfläche.

“Die armen Teufel da drüben, von denen dürfte keiner die Explosion überlebt haben, die müssen irgendetwas hochexplosives an Bord gehabt haben, ansonsten geht das Ding nicht so schnell in die Luft. Das würde auch erklären warum die den Brand zuerst so schnell unter Kontrolle gebracht haben. Das waren keine Frischlinge, schade um die guten Jungs.” gebe ich etwas missmutig von mir.

“Aber Krieg ist nun mal so”

Wenige Minuten später ist der Rest von dem Frachter in den Fluten versunken, wir gehen wieder auf unseren ursprünglichen Kurs, bleiben aber noch getaucht und setzen und mit Großer Fahrt unter Wasser ab.

“In einer Stunde auf kleine Fahrt gehen” gebe ich noch Befehl während ich durch die Zentrale gehe.

18:00 Uhr

Gegen Abend tauchen wir auf und ich entschließe mich dazu das wir sofort etwas weiter nach Norden ausholen, um dort oben fernab der britischen Luftsicherrung unsere beiden externen Torpedos umzuladen. Die Torpedomixer werden’s mir zwar verübeln das sie nur so kurz den zusätzlichen Freiraum im Bug genießen durften, aber diese ruhige See muss man ausnutzen, außerdem werden wir für den Rest unserer Fahrt nur noch Gewässer durchqueren die weniger sicher sind. “Kurs Nord” gebe ich also Befehl, “LI, bereiten sie alles vor damit wir morgen Nacht unsere externen Torpedos an Bord nehmen können, sofern das Wetter hält”

Außerdem holen wir nun die FTs auf Langwelle herein die wir unter Tags getaucht verpasst haben. Darunter auch ein interessantes das vor einer Uboot-Falle warnt.

Schon auf unserer letzten Feindfahrt hatte ich ein mulmiges Gefühl bei dem polnischen Frachter den wir kurz vor der Doggerbank versenkt haben, und der einfach nicht sinken wollte. In Zukunft heißt es doppelt aufpassen. Ein Frachter der z.B. Kork geladen hat ist beinahe unsinkbar, und wenn man sich dann zu lange mit so einem Burschen beschäftigt kann man schnell ins offene Messer laufen. Sei’s durch bordeigene Bewaffnung oder herbeigerufene Helfer!

19:45 Uhr


Eine sternenklare Nach, gute Sicht und nur Windstärke 2. Sollte das Wetter bis morgen Nacht so bleiben hätten wir ideale Bedingungen für das umladen unserer Torpedos. Einzig der zu 2/3 volle Mond macht uns etwas Sorgen, verdammt hell.

Zusammen mit unserem I WO stehe ich auf der Brücke und sehe wie sich im Süden der Große Wagen abzeichnet…

Doch gut 2 Stunden später hat die nächtliche Romantik ein Ende. “Mehrere schmale Schatten in 210” vermeldet unsere Brückenwache um 22:47 Uhr. Ich werfe sofort einen Blick durchs Fernglas und sehe ein halbes Dutzend Schiffe die sich schnell nähern. “Verdammt flott unterwegs die da drüben” sage ich zu unserem I WO, “muss sich um einen Kampfverband handeln, in der Mitte ist ein etwas dickerer Pott zu erkennen”

Wir gehen sofort auf Abfangkurs mit AK, jedoch sind nur ein paar Minuten der vollen Fahrt nötig um uns in eine gute Position zu setzen, außerdem  ist unsere starke Bugwelle bei der glatten See und hellen Nacht leicht zu entdecken. “Auf Seerohrtiefe gehen, Kleine Fahrt mit E-Maschinen” befehle ich.

22:57 Uhr

Der Verband nähert sich schnell und zackt zum Glück nicht. Mit dem Kurs läuft und der dicke Brocken mit ein paar hundert Meter Abstand direkt vor die Rohre. Ich lasse noch ein paar leichte Kurskorrekturen machen, dann liegen wir perfekt in Position.

“Rohr 1-4 bewässern, Aufschlagszünder verwenden und Torpedos 2m tief laufen lassen. Gegnerfahrt 15kt, Peilung 0°, Lagenwinkel 90° Steuerbord”

Wenn wir zum Schuss kommen dann gleich einen Fächer, die Aufschlagszünder verwenden wir da ich noch immer nicht weiß mit welchem Schiff wir es zu tun haben, und daher schwer den Tiefgang für die Magnetzünder schätzen kann.

Der Verband ist nun auf geschätzte 3000m herangekommen “Verdammt” muss ich plötzlich Fluchten “Alarm, AK voraus, schnell auf Tiefe LI! Hart Backbord auf Kurs Süd gehen!”

“Haben die doch unser Seerohr entdeckt, und das bei Nacht auf 3000m, verdammter Mond” damit hat sich unser Überraschungsangriff erübrigt, schnell gewinnt das Boot an Tiefe und ich lasse sofort auf 200m gehen um den Zerstörern das Leben möglichst schwer zu machen. “Noch 15 Minuten auf AK bleiben, dann Schleichfahrt”

Kurz vor dem Abtauchen sind mir noch zwei charakteristische Ausleger an den Aufbauten unseres potentiellen Ziels aufgefallen, beim Nachschlagen in den Büchern finde ich heraus das es sich wohl um den leichten Kreuzer Fiji handelt, mit geschätzten 9000 ts.

“Wäre ein nettes Ziel für uns gewesen” sage ich in der Zentrale, “aber jetzt sehen wir lieber zu das wir hier nichts auf die Mütze bekommen. Ich habe dort oben 6 Zerstörer gezählt, dass kann ungemütlich werden wenn die uns zu fassen bekommen!”

23:14 Uhr

Wir sind auf Schleichfahrt gegangen, befinden uns nun auf 200m und fast 4000m von unserem Tauchpunkt entfernt. Ich setzte mich Anfang immer gerne mal mit hoher Fahrt ab, einerseits weil dadurch das Boot schneller auf Tiefe kommt, und andererseits müssen auch die Bewacher erst mal ranfahren, was das horchen für sie um einiges schwieriger macht.

Dieser Plan scheint so weit ganz gut funktioniert zu haben, unser Mann am GHG kann den Großteil der Zerstörer nur achteraus hören, nur ein einzelner steht Backbord voraus auf 20°. An der Oberfläche muss es zugehen wie in einem Hornissennest, unser Funkmaat hat so seine Schwierigkeiten die einzelnen Schraubengeräuche auseinanderzuhalten.

23:20 Uhr

Einige Zerstörer schließen nun auf zu uns, eventuell sind wir zu lange auf AK geblieben, und sie haben unseren schnellen Absetzversuch noch bemerkt. Aber noch fallen keine Wasserbomben…

23:30 Uhr

Nun wandern die Schraubengeräusche wieder achteraus. “Die sind sich sicher nicht im klaren ob sie wirklich ein deutsches Uboot gesehen haben, schließlich kann man sich bei so einem kleinen Seerohr auch schnell mal täuschen, vielleicht können wir sie in dem Glauben belassen das der Ausguck nur ein Stück Treibholz gesehen hat”. Ich lasse auf 160 m gehen.

23:50 Uhr

Weit achteraus sind einige WaBo Explosionen zu hören, doch die liegen komplett an der falschen Stelle. Wir beenden die Schleichfahrt um wieder mit den Lenzpumpen arbeiten zu können, und beginnen mit einem langsamen Aufstieg auf Seerohrtiefe, weiterhin kleine Fahrt.

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